contemplation: aufgewacht – nachgedacht

Was heißt Ner Ya’akov?

Das wußte ich bisher auch nicht, aber dahinter verbirgt sich eine der bewegendsten Lebensgeschichten die ich seit langem gehört habe:

neryaakov

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Es war eine wunderbare Begegnung, Inge Buhs in Israel kennenzulernen…

Von Bayern nach Jerusalem – Lebensbericht von Inge Buhs
Leiterin von Ner Ya’akov

Eine Deutsche hilft holocaustüberlebenden Juden in Israel
Das ist wirklich eine lange Geschichte und ein wunderbarer Weg, den unser treuer Herr mich in all meiner Schwäche geführt hat. “Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig” (2. Korinther 12, 9). In diesem Wort finde ich mich mit meinem Leben wieder. Ich weiß von niemanden in meiner Familie, der gläubig war, als ich in einem bayerischen Dorf geboren und aufgewachsen bin. Als uneheliches Kind, in einer Familie, die mit Alkoholproblemen zu kämpfen hatte, in einem katholischen Ort  aufgewachsen, das hat viel Ablehnung und innerliche Not mit sich gebracht. Als sich meine Eltern trennten und mein Vater, den ich sehr liebte, tot neben einem Bierzelt gefunden wurde, brach für mich die Welt ganz zusammen. Ich war damals 14 Jahre alt. Es folgten daraufhin viele bittere Jahre in tiefer Sünde. Ich mietete mir ein Zimmer in einem Bierlokal. In dieser schlechten Atmosphäre fing ich als Kellnerin an zu arbeiten.

Auf der Suche nach Gott
Seelisch hatte ich viele Probleme - ich fing an Gott zu suchen, aber niemand konnte mir etwas über ihn sagen. Alleine ging ich manchmal in die Kirche, um zu beten. Nach schweren Enttäuschungen gab ich in Deutschland alles auf und mit schlechtem Englisch und wenig Geld ging es ab in die USA. Ich reiste durch Amerika - immer noch auf der Suche nach dem Sinn meines Lebens.
Die Nachbarn meiner Schwester in den USA waren gläubig und zeigten mir viel Liebe, Annahme und Verständnis, mehr als ich je zuvor erfahren habe. Sie haben mir durch ihre Liebe Jesus gezeigt. Nie sagten sie: “Geh nicht in die Disco, rauche nicht …” usw. Sicher wäre ich auch dort weggelaufen.
In meinem Herzen wusste ich, dass das was sie mir über Jesus sagten, die Wahrheit war. Doch bei mir hat sich lange nichts in meinem Leben verändert .
Zurück nach Deutschland lernte ich Gläubige aus meinem Heimatort kennen. Sie fingen an für mich zu beten.
Eines Abends im Januar 1983 hörte ich dann eine Predigt über die Erwachsenentaufe. Mit meinem Verstand habe ich es nicht begriffen, doch es ging mir richtig durchs Herz und so wurde ich dann am 6. Januar 1983 getauft. Noch rauchend und eigentlich in “unbekehrtem Zustand” ging ich zu meiner Taufe - doch an diesem Tag kam Jesus in mein Leben und veränderte es völlig. Frei von der Last meiner Schuld und Gebundenheiten durfte ich ihn für dieses große Wunder preisen. “… wenn deine Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneesweiß werden” (Jesaja 1, 18). Dieses Wort hat sich nun auch bei mir erfüllt.
Mein Taufspruch sollte sich als prophetisch für mein künftiges Leben erweisen: “… wo du hingehst, will ich auch hingehen, wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott” (Ruth 1, 16.17). Das sagte die heidnische Moabiterin Ruth zu ihrer jüdischen Schwiegermutter Naomi auf dem Weg nach Bethlehem. Über Israel wusste ich fast nichts, doch gleich am Anfang meines Glaubenslebens gab mir der Herr eine tiefe Liebe zu Israel und gute biblische Lehre über das Bundesvolk Gottes. Wie könnte auch meine Haltung gegenüber Israel anders sein, als die Haltung Gottes selbst?! Das verstehen zu können, empfinde ich als eine große Gnade, wenn ich sehe, wie vielen Christen die Augen für Israel verschlossen sind.

Dienst in Israel
Bereits fünf Monate nach meiner Bekehrung kam ich das erste mal nach Israel. Das war der Anfang meines nun fast 20-jährigen Dienstes in Israel an alten und kranken Menschen in ihren Wohnungen, in Altenheimen und Krankenhäusern.
Zwischendurch absolvierte ich in Deutschland eine Ausbildung als Krankenpflegehelferin. Meine ganz praktische Lebensschule aber habe ich in Israel durchlebt. Wie sehr musste ich Disziplin und Unterordnung lernen, was mir als Jugendliche sehr fremd war.
Je mehr ich die tiefen Wunden des jüdischen Volkes verstand, die durch die Kirchengeschichte und die unbeschreibliche Grausamkeit im Holocaust verursacht wurden, umso mehr wuchs in mir der Wunsch zur Versöhnung und Trost gegenüber diesen Menschen zum Ausdruck bringen zu können. Mein Dienst bestand zunächst darin, einfache, praktische Hilfe wie Putzen, Einkaufen, Begleitung bei Arztbesuchen … anzubieten. Ich erkannte, dass nicht das “Predigen”, sondern das Dienen der Schlüssel ist zu den Herzen des jüdischen Volkes.
1987 begegnete ich dann Bella Steiner, einer Auschwitzüberlebenden, die bis heute für mich eine “Naomi” ist. Im Zusammenleben mit ihr und vielen Begegnungen mit anderen Holocaust-Überlebenden wurde ich mit der Not dieser Menschen konfrontiert. Einsamkeit, Kinderlosigkeit als Folge der Lage, Depressionen, Alpträume oder Krankheit. Erstaunlicherweise begegnete mir dabei fast nie Bitterkeit oder Hass - was ich fand, waren aber gebrochene Herzen. Als Deutsche musste ich lernen, mich unserer Vergangenheit zu stellen.  Das war nicht leicht, aber der Herr half mir Schritt für Schritt und befreite mich von dem Fluch der Vorväter, der über unserem Volk lastet. Persönlich habe ich es als großen Segen erfahren, gerade als deutsche Christin diesen leidgeprüften Menschen zu dienen. Nicht aus Schuldgefühlen, sondern aus dem Wunsch heraus, nach Jesaja 40 etwas Trost bringen zu können:
“Des Herrn tröstendes Wort für sein Volk: ‘Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und prediget ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden” (Jesaja 40, 1.2).

Ner Ya’akov - ein warmes Heim für Holocaustüberlebende
Aus den Jahren des praktischen Dienstes ist nun der kleine Verein Ner Ya’akov entstanden, benannt im Gedächtnis an Bella Steiner’s Großvater Ya’akov Thalenberg, der an einem Massengrab ermordet wurde.
Ner Ya’akov hat das Ziel, den letzten lebenden Zeugen des Holocaust in jeder nur möglichen Weise zu helfen, durch praktische Dienste in den Privathäusern der alten Menschen, finanzielle Unterstützung für bedürftige Familien, oder auch Hilfestellung zu geben, wenn Holocaustüberlebende aus der früheren Sowjetunion nach Israel einwandern wollen.
Der Kern dieser Arbeit ist ein “warmes Heim für Überlebende”, das wir im Februar 2001 eröffnen konnten. In ihm können sechs bis acht Bewohner aufgenommen werden, die mit einem Mitarbeiterteam zusammenleben.

Möge der Gott Israels selbst die vielen Wunden anrühren und Ner Ya’akov zu einer Kerze der Hoffnung und des Trostes werden lassen, allein zu seiner Ehre!

 

Ner Ya’akov - ein warmes Heim für Holocaustüberlebende

Ner Ya’akov - ein warmes Heim für Holocaustüberlebende

 

Für weitere Infos: http://www.neryaakov.com

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